bemerkenswert

1. Gesundheit gemeinsam verantworten

Dies ist der Name einer Gemeinschaftspublikation, die erstmalig aus Sicht der Ärztenetze selbst darstellt, welchen Entwicklungsstand sie erreicht haben und welche Ziele sie sich für die nahe Zukunft gesetzt haben.

 

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In einer beispiellosen Gemeinschaftsaktion haben die Ärztenetze aus Lippe, Worms, Bünde, Ludwigshafen, Siegen, Solingen, Lauenburg, Köln, Ingolstadt, Münster, Leverkusen, Unna und Lingen einen Film entstehen lassen.

 

Er macht deutlich, warum es sich lohnt, vernetzte Strukturen weiter auf- und auszubauen. Und der Film beweist: Der Nutzen für Arzt und Patient ist eindrucksvoll! 

 

Ich durfte dieses Projekt koordinieren und kann nur sagen: Vielen Dank, ein wirklich tolles Erlebnis. 
Und Ihnen nun viel Spaß beim Anschauen.


2. Kommunen auf dem Vormarsch

"Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Seniorenpolitik in den Kommunen"– das klingt sperrig und akademisch. Auf über 300 Seiten beleuchtet die elfköpfige Expertengruppe erstmals umfassend die kommunale Daseinsvorsorge aus der Perspektive alter Menschen.

 

Die Experten schlagen dafür ein "Leitgesetz" zur Stärkung einer Politik für alte Menschen vor, das miteinander verbundene Regelungen in verschiedenen Gesetzen zu einem Gesamtpaket bündelt. Dabei sollten insbesondere strukturschwache Regionen, die zudem besonders von Abwanderung und Überalterung betroffen sind, in den Blick genommen werden. Die Vorschläge der Experten laufen auf eine "neu ausbalancierte Architektur der sozialen Unterstützungssysteme" hinaus, die in der Gesundheitspolitik Zuständigkeiten teilweise völlig zuschneidet: Gesundheitliche Versorgung müsse als "Koproduktion verschiedener Akteure auf unterschiedlichen Ebenen" verstanden werden. "Silodenken" etwa aus der Sicht einzelner Sozialkassen hat in diesem Konzept keine Chance.

Das bestehende Gesundheitssystem mit der haus- und fachärztlichen ambulanten Versorgung und Krankenhäusern andererseits bezeichnet die Kommission angesichts der demografischen Entwicklung als "nicht angemessen". Skeptisch zeigen sich die Experten dabei mit Blick auf die Steuerungs- und Lotsenfunktion von Hausärzte und fragen, "ob die Zuordnung der Koordinierungsfunktion zum Tätigkeitsprofil des Hausarztes nicht zu optimistisch ist". Die Fallsteuerung werde gegenwärtig von Ärzten "nicht in ausreichendem Maße" wahrgenommen und sollte besser auf Pflegefachkräfte oder Case-Manager übertragen werden. Auch wenn die Kommission für weniger arztzentrierte Versorgungsstrukturen plädieren, treibt sie doch die "Ausdünnung" der hausärztlichen Versorgung in vielen Regionen um. Damit gehe ein "zentrales Versorgungssegment verloren, das für eine individuumsbezogene, biografisch orientierte und ganzheitliche Diagnostik und Therapie unerlässlich ist." Mehr noch: Dem Hausarzt wird gerade in seiner Funktion als Familienarzt "große Bedeutung für die Erhaltung und Stärkung bestehender wie auch auf die Etablierung neuer Sorgestrukturen" zuerkannt. Gerade deshalb müssten neue Organisationsformen gesundheitlicher Versorgung, bei dem einzelne, bisher dem Arzt vorbehaltene Leistungen, durch andere Gesundheitsberufe erbracht werden. Das Credo der Experten: Leistungen der Vernetzung, Koordination und Integration können nur in einem dezentralisierten Gesundheitswesen erbracht werden.


Quelle: Ausschnitte aus diesem Artikel


3. Delegation - wieso, weshalb, warum?

Die Aufgabenstellung aus unserer Sicht lautet: Es bedarf einer konsequenteren Betonung des Verbleibs der Patienten im häuslichen Umfeld, insbesondere für ältere, hilfebedürftige Patienten. Daran gekoppelt ist die Anforderung, Konzepte zur Entlastung der knappen Ressource Arzt zu entwickeln. Es bedarf somit eine Neuordnung der Aufgabenverteilung.

 

Unsere Arbeitshypothese: 

Delegation ist neben Telemedizin z. Z. der führende Ansatz, also

  • findet eine Arbeitsverlagerung von Medizin zu Pflege statt, aber
  • es gibt genauso wenig Pflege wie Medizin Fachkräfte, so
  • braucht es von der Pflege akzeptierte Ausbildungen für tatsächlich inhaltlich wie gut vergütete Stellen und die Spezialaufgabe lautet
  • diese müssen auch von (delegierenden) Ärzten anerkannt werden - und
  • allein ein Verschieben der Leistungen bringt es nicht!
  • Es braucht mehr Zusammenarbeit und auch den Einbezug aller Kräfte wie Angehörige und  Ehrenamt also
  • braucht es hier ein übergeordnetes Management von koordinierten Unterstützungsangeboten und
  • das führt dann schlussendlich wieder zur gewünschten und benötigten Entlastung der Arztpraxis.

Soweit die Bestandsaufnahme.

 

Das bedeutet 

  • einen Fachkräftemangel Pflege = Anreize für die Besetzung neuer Aufgabenfelder müssen geschaffen werden
  • die Notwendigkeit von bundesweit einheitlichen Curricula zur Sicherung der Ausbildung der medizinentlastende Berufe = es muss ein einheitlicher berufsgruppenübergreifender Ausbildungsmindeststandard definiert werden
  • fehlende Akzeptanz der Ansätze bei diffuser Rechtslage = es muss Sicherheit geschaffen werden
  • die Notwendigkeit von bundesweit einheitlichen Behandlungsstandards zur Qualitätssicherung = hier gilt es, eine verlässliche Vorgehensweise zu definieren
  • , dass die Arztpraxis als Koordinator überlastet ist = es braucht neue Konzepte für die Übernahme regionaler Koordinationsfunktion.
  • neue Konzepte für die Übernahme regionaler Koordinationsfunktion sind unerforscht = Evaluationen werden benötigt!

4. E-Health

E-Health, Telemedizin, Digital Health -alles Begriffe für mehr oder weniger alltagstaugliche Konzepte. In der Sache völlig korrekt werden sie das wesentliche Instrument zur Arbeitsentlastung der Fachkräfte in der Gesundheitsversorgung werden. Aber sie werden sich ihren Platz erkämpfen müssen, in den Köpfen und den Arbeitsroutinen.

 

Da hilft es, wenn die Lösung effektiv und simpel gleichermaßen ist.

 

Bestes Beispiel: Die elektronische Visite, liebevoll kurz elVi genannt.

 

Weitere Infos unter www.elvi.de


5. GKV-Selbstverwaltungsstärkungsgesetz

Mit einem neuen Gesetz will das Bundesgesundheitsministerium einheitliche Regeln für alle bundesweiten Selbstverwaltungsorgane durchsetzen. Dazu gehören auch mehr Mitwirkungsrechte für die Vertreterversammlungen.

 

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) verschärft damit seine Aufsicht über die Selbstverwaltungsorgane von Ärzten, Zahnärzten, Krankenkassen, den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) und den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Das seit Monaten kontrovers diskutierte GKV-Selbstverwaltungsstärkungsgesetz hat das Bundeskabinett am 16. November beschlossen. 

 

Struktureller Weiterentwicklungsbedarf besteht bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zu den Regelungen über den Vorstand. Es wird verpflichtend ein Vorstand mit drei Mitgliedern geregelt, dessen Vorstandsvorsitzender mit einer qualifizierten Mehrheit gewählt werden muss. Nur für den Fall, dass in den beiden ersten Wahlgängen keine qualifizierte Mehrheit zu Stande kommt, soll im dritten Wahlgang die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen ausreichend sein. Eines der drei Mitglieder des Vorstands darf weder dem hausärztlichen noch dem fachärztlichen Versorgungsbereich angehören. Dies soll die notwendige versorgungsbereichs-übergreifende Interessenvertretung im Vorstand sicherstellen sowie die Akzeptanz des Vorstandsvorsitzenden stärken. Mit den vorgesehenen strukturellen Änderungen sollen die in der KBV bestehenden Konflikte zwischen den Versorgungsbereichen und die damit einhergehenden Blockaden aufgehoben werden.

 

Kommentar der DGIV (Deutsche Gesellschaft für Integrierte Versorgung):

 

Für eine funktionierende Selbstverwaltung ist eine Voraussetzung die Beschränkung staatlicher Einflussnahme auf ein unbedingt notwendiges Maß. Nur wenn die Verwirklichung der hier vorzufindenden Gruppeninteressen und die daraus resultierenden Ergebnisse der Arbeit der Organe der Selbstverwaltung mit den Anforderungen der gesellschaftlichen Entwicklung nicht Schritt halten sollte, kann sich die Notwendigkeit ergeben, mit entsprechenden staatlichen Maßnahmen korrigierend einzugreifen.  

Was alle Beteiligten jetzt brauchen, ist ein sachlich geprägter Dialog und eine konstruktive Auseinandersetzung darüber, was hier nutzt oder schadet.